Blog
Home  |  Blog Übersicht

Mürren

Februar 2015

01.02.2015

Seit ein paar Tagen liegen die Täler unter einer kompakten dunkelgrauen Bisnebelschicht. Schwer wie ein Betondeckel lastet sie auf Gemüt und Landschaft. Selbst tagsüber brennt das Licht meiner Lampe auf dem Arbeitstisch. Doch dann endlich, an einem späten Morgen, schimmert ein zaghaftes Weiss durch die trübe Wetterbrühe. Schnell sind meine sieben Sachen gepackt. Eine knappe Stunde später stehe ich in Stechelberg bei der Talstation der Schilthornbahn. Hier mischt sich bereits etwas Himmelsblau mit dem Grau des Nebels. Ein untrügliches Zeichen, dass, ein paar hundert Höhenmeter über mir, die Sonne scheinen wird.

Und tatsächlich,unterhalb der Station Birg, taucht die Kabine aus dem Nebel, wie ein U-Boot aus dem wellenwogenden Meer. Ein paar Minuten später richte ich mich in einer windgeschützten Ecke auf der Aussichtsterrasse des Restaurants ein.

Gletscherhorn, Äbni Flue, Mittaghorn und Grosshorn über dem Nebelmeer
Nebelschwadern an den Hängen des Birgs

Welche Aussicht! Unter mir dampft und brodelt es, wie in der Waschküche meiner Grossmutter. Wie lange mag es wohl dauern, bis die ganze Geschichte „überkocht“? Leider nicht allzu lange: Es reicht gerade für ein paar Aufnahmen, dann wird die Terrasse von dicken Nebelschwaden eingehüllt.

Links der kleine Eiger, rechts Mönch und Jungfrau
Äbni Flue und Mittaghorn über dem Nebelmeer

Doch glücklicherweise habe ich noch einen Joker im Ärmel. Kurz entschlossen besteige ich die nächsten Kabine Richtung Schilthorn, lasse ein weiteres Mal die graue Tristesse hinter mir, schwebe schon bald umgeben von dem kalten, hellweissen Blau des Winterlichts gipfelwärts. Einsam steht der Mond, in seinem ersten Viertel, zwischen Cirruswolken am Himmel.

Federwolken mit Mondsichel

Oben angekommen warte ich im Restaurant den späten Nachmittag ab, führe mein Fototagebuch nach und hoffe, dass der Nebel wieder sinken möge. Und tatsächlich, die Geduld zahlt sich aus. Die Wolkendecke reisst auf. Die letzten Sonnenstrahlen beleuchten das Birg. Wie spielzeugklein wirkt doch das Stationsgebäude gegenüber den drei mächtigen Riesen im Hintergrund.

Eiger, Mönch und Jungfrau über dem Nebelmeer

Blog Übersicht

Artikel empfehlen       Newsletter abonnieren